Ein Fall von Schwarz-Weiß-Denken, der aus dem Rahmen fällt

Im heutigen Impuls dreht sich alles um die Gestaltung von Rahmenbedingungen, um erwünschte Verhaltensweisen auszulösen. Dabei betrachten wir auch die Unterscheidung von Regeln und Prinzipien.

Gehörst du zu der Gruppe Menschen, die eher Rolltreppe fahren statt die Treppe zu nehmen? Falls ja, was könnte dich dazu bewegen, die Treppenstufen zu erklimmen?

Wir haben einen ungewöhnlichen Vorschlag:

Definitiv ein Beispiel, bei dem Schwarz-Weiß-Denken zugleich Out-of-the-box-Denken ist.
Die Bedingungen wurden so geändert, dass zahlreiche Menschen das Angebot ‚Treppe oder Rolltreppe?‘ für sich neu entschieden haben.
Ganz so einfach ist die Arbeitswelt nicht – doch glücklicherweise müssen wir auch nicht ähnlich kreative Gestaltungslösungen für den Rahmen finden.

Ein konkretes Beispiel für Gestaltungsmöglichkeiten von Rahmenbedingungen ist die Unterscheidung zwischen Regel und Prinzip:

Eine Regel macht klare Vorgaben im Handeln, die sich kontrollieren lassen.
Ohne Überraschungen und bei überlegenem Wissen oder Erfahrungshintergrund ist eine Regel wie: ‚einmal pro Tag die Axt schleifen‘ angemessen. Der Mitarbeitende benötigt keine Kenntnis über die angemessene Schärfe einer Axt.

Ein Prinzip gibt dem Handelnden Orientierung, welche Qualitätsmerkmale förderlich sind.
Im Beispiel der Axt ist ein Prinzip wie ‚die Axt schleifen, wenn sie stumpf wird‘ angebrachter, wenn die Abnutzung unregelmäßig ist. Dies erfordert ein Mitdenken des Mitarbeitenden, die Fähigkeit das Qualitätsmerkmal eigenständig beurteilen zu können und die entsprechende Verantwortungsübernahme, also Können und Wollen. Ebenso benötigt der Mitarbeitende die Flexibilität, seine Arbeit zu jeder Zeit eigenständig unterbrechen zu können, um die Axt zu schärfen.

Ein Blick in den Straßenverkehr zeigt eine wirksame Verbindung von Regeln und Prinzipien.

  • Regel: Wir halten an roten Ampeln, weil ein situatives Aushandeln der Vorfahrt mit vielen uns unbekannten Menschen die schlechtere Alternative wäre.
  • Prinzip: wir passen unsere Fahrgeschwindigkeit den Straßenbedingungen oder dem Verkehrsfluss an, das gegebene Tempolimit verliert an Bedeutung.

Im letzteren Fall wird die Bedeutung der vorhandenen Kompetenz oder des notwendigen Wissens deutlich. Fahranfänger und Ortsfremde sind stärker auf Hinweisschilder wie ‚gefährliche Kurve‘ angewiesen, um die angemessene Geschwindigkeit für sich zu bestimmen.

 

Die Beispiele zu Axt und Straßenverkehr zeigen auf, dass eine angemessene Reaktion auf mehr Komplexität eine vermehrte Verwendung von Prinzipien statt Regeln ist.

Jedoch werden die beteiligten Menschen nur dann sich dem übergeordneten Zweck angemessen verhalten, wenn sie über das notwendige Know-how (Wissen & Können) und Know-why (Identifikation mit dem Unternehmenszweck) verfügen.

Wir halten fest:

  • Rahmenbedingungen beeinflussen menschliches Verhalten. Die Einführung von Regeln und Prinzipien sind Beispiele für gestaltbare Rahmenbedingungen in Unternehmen.
  • Regeln eignen sich hervorragend für komplizierte, also überraschungsfreie Situationen. Regeln sind hier effizienter, da kein reflektiertes Nachdenken von einzelnen Menschen erforderlich ist.
  • Prinzipien eignen sich hervorragend für komplexe Situationen mit hohem Überraschungspotenzial. Prinzipien sind hier von Vorteil, da sie dem einzelnen Menschen Verantwortung und Handlungsspielraum übertragen.
  • Damit Prinzipien im Sinne der Unternehmung angewandt werden, ist eine hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmenszweck erforderlich.

Handlungsimpuls

Im heutigen Handlungsimpuls wirst du aufgefordert, eine kleine Veränderung in den Rahmenbedingungen durchzuführen. Frei nach dem Motto: ‚Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer für das Team‘ bringen wir elobau in Bewegung!

Die Aufgabe ist ganz einfach:
Führe in den kommenden Tagen einen Check-in in einer Besprechung durch.

Der Check-in ist dir über eure Lenkungskreis-Sitzungen bereits vertraut. Im Content Pool findest du eine Beschreibung der Übung.

Deine Kollegen sind neugierig auf deine Erfahrungen. Der Gruppenchat ist ein wunderbarer Ort zum Teilen.

Falls du denkst: Check-in? Gähn… dann lass dich von Thomas Tuchel inspirieren, der seinem neuen Team keine Treppe, eher eine Brücke zu mehr Zusammenhalt gebaut hat:

Video startet automatisch bei 2:30 und endet bei 7:15.
Die vollständige Fassung findest du im Content Pool.

Wir stehen mutigen und entschiedenen Führungspersönlichkeiten zur Seite.

Persönlich: Hier steht die persönliche Entwicklung als Führungskraft im Mittelpunkt. Themen sind beispielsweise das Einfinden und Wirksamwerden in veränderten Rollen oder die​ Reflektion individueller Bedürfnisse und Stärken im Abgleich mit unternehmerischen Leitbildern und dem übergeordneten Unternehmenszweck.

Fachlich: Hier stehen wir Entscheidern als fachliche Sparringspartner bei Seite. Die Themen reichen von der Erarbeitung​ und Reflektion organisationaler Rahmenbedingungen bis hin zur fachlichen Begleitung der Führungsarbeit in Entscheidungs- und Führungsgremien.

Machen Purpose-Workshops Sinn?

Spätestens seit Simon Sinek starten wir alle mit dem WARUM. Ganze Organisationen haben sich seitdem auf die Suche nach ihrem Sinn und Zweck gemacht. Ist dieser einmal gegriffen und formuliert, folgt schnell der Wunsch nach dessen Akzeptanz und Verbreitung in den Köpfen aller Führungskräfte und Mitarbeitenden.

Doch wie gelangt der Purpose in die genannten Köpfe? Durch Trainings oder Schulungen? Durch Zielvereinbarungen? Durch Feedbacks und Coachings? Wohl eher kaum. Und ist das überhaupt Sinn der Sache mit dem WHY?

Weil wir alle selbstbestimmt und eigenverantwortlich sind, kann (auch wenn man das wollte) niemand anderes entscheiden, was wir akzeptieren und auch im Handeln einsetzen. Das wäre in etwa so absurd wie zu wollen, dass die Lieblingsfarbe aller Mitarbeitenden von VORSPRUNGatwork Rot sei. Es bleibt immer die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er Impulse und Antwortmöglichkeiten von anderen annimmt oder nicht.

Deshalb kann es auch nicht das Ziel von Führung sein, Menschen zu steuern und sie danach zu prüfen, ob sie das Purpose-Statement auswendig aufsagen können.

Aufgabe von Führung kann aber sein, Rahmenbedingungen zu schaffen und Orientierung so zu ermöglichen, dass Führungskräfte und Mitarbeitende sich selbst bestmöglich am Unternehmenszweck ausrichten wollen und können.

Hierzu gehören auch Räume, in denen individuelle Antworten auf das Warum mit dem kollektiven Zweck der Organisation in Verbindung gebracht und reflektiert werden können und Diskrepanzen sichtbar gemacht und besprochen werden können.

Wie sinnvoll geht dein Unternehmen mit dem Thema „Purpose“ um?

#mythbuster #agile #purpose #why