Sicher durchs Chaos navigieren. Geht das überhaupt?

Gucke dir bitte zunächst das Video an und beobachte dabei deine Gedanken.

Straßenführung, Verkehrsführung, Fahrzeugführung, Führerschein… du merkst, unser täglicher Weg von A nach B, egal ob im Auto, Fahrrad oder zu Fuß versinnbildlicht ein Verständnis von Führung. Dass dieses im indischen Straßenverkehr ein anderes Verständnis ist als in Deutschland, sieht man in dem Video. 

Einen deutlichen Kontrast zu den ungeregelten Kreuzungen in Indien zeigt folgendes Bild auf, indem mehr Straßenschilder als Verkehrsteilnehmer zu sehen sind.

 

 

Egal ob in Indien oder bei uns in Deutschland, wer sicher durch den Straßendschungel navigieren möchte, muss einerseits über die Verkehrsregeln Bescheid wissen und anderseits auch immer auf Überraschungen eingestellt sein.

In Indien trägt eine hohe Geistesgegenwart sicherlich stärker zu einem funktionierenden Verkehrsfluss bei als im stärker reglementierten deutschen Straßenverkehr, wo verhältnismäßig eher die korrekte Regelbefolgung entscheidend ist.

Wie du vielleicht bereits vermutest, geht es nach dem letzten Impuls zu den Aufgaben von Führung heute um den Führungskontext. Dieser hat nämlich maßgebliche Auswirkungen darauf, welche Art der Führung förderlicher, erfolgsversprechender ist als andere.

Ab hier wird das Thema Führung also kompliziert. Oder eher komplex?
Umgangssprachlich werden die beiden Begriffe ja vielfach als Synonym verwendet. Heute wirfst du gemeinsam mit deinen Kollegen einen Blick darauf, wo es im Arbeitsalltag bei elobau kompliziert zu geht und wo es ganz schön komplex wird. Viel Spaß beim Erforschen der Bedeutsamkeit dieser elementaren Unterscheidung.

Schauen wir uns das Ganze doch mal im Detail an:

Kompliziert: All das, was wir uns über Wissen erschließen und erklären können. Eine Maschine mit 100 Schaltern ist komplizierter als eine Maschine mit 5 Schaltern. Das ist so, da wir mehr Wissen über die Einzelteile benötigen, die im Zusammenspiel das große Ganze beherrschbar machen. Das Wissen ist prinzipiell auch verfügbar, denn jemand muss die Maschine ja (ggf. gemeinsam mit anderen) gebaut haben.

In Kompliziertheit sind Meister also jene, die sich das meiste Wissen aneignen können und dieses fehlerfrei zur Anwendung bringen. Es gibt den einen besten Weg zur Lösung.

Die Maschine ist ein gutes Symbolbild für Kompliziertheit. Im Unternehmenskontext gibt es zahlreiche Beispiele für komplizierte Zusammenhänge, z.B.: Prozessbeschreibungen, Belegungspläne, Managementsysteme, Arbeitsverträge, Organigramme, alle technischen Vorrichtungen, Software jeglicher Art, gesetzliche Vorgaben uvm.

Komplex: All das, was nicht durch bloßes Wissen über die Einzelkomponenten steuerbar bzw. exakt vorhersehbar ist. Je komplexer eine Situation, desto mehr ist mit Unvorhersehbarem zu rechnen. 

Wenn Anna und Amar sich in einem indischen Taxi begegnen, können wir noch so viel über die beiden wissen, der exakte Dialog lässt sich nicht vorab konstruieren. Dafür gibt es zu viele Einflussfaktoren, die sich unserer Kontrolle entziehen (Wetter, Stimmung, Gedanken, Schlafqualität, Erziehung, kulturelle Prägungen, Hormonhaushalt, Uhrzeit, aktuelle Geschehnisse etc.)

Dennoch lassen sich aus individuellen Erfahrungswerten in der Interaktion mit den beiden bestimmte Muster oder Qualitäten identifizieren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auftreten als andere. Ist gerade Fußball WM, könnten die beiden über dieses aktuelle Thema sprechen. War Anna im Vergleich zu Amar bisher deutlich kommunikativer während gemeinsamer Taxifahrten, so könnte eine Prognose lauten, dass Anna auch heute einen höheren Gesprächsanteil haben wird als Amar etc.

In Komplexität sind Meister jene, die geistesgegenwärtig und adäquat mit per se unplanbaren Situationen umgehen können. Dies gelingt ihnen nicht durch eine detaillierte Analyse und Planung, sondern durch ein ganzheitliches und leibhaftiges Eintauchen in das sich ständig entwickelnde Geschehen der jeweiligen Situation. Können hat hier eine höhere Bedeutung als Wissen.

Alles Lebendige und nicht extern Steuerbare steht symbolisch für Komplexität. Beispiele für komplexe Zusammenhänge im Unternehmenskontext sind:

  • Menschen und deren Interaktionen (Besprechungen, Entscheidungen, Verhalten, Kommunikation, Motivation, Gesundheit, Kreativität, Innovation etc.) 
  • Umwelteinflüsse (Wetterbedingungen, Aktienkurse, Pandemien, Tweets von Elon Musk etc.)

Wir halten fest:

  • Komplizierte Zusammenhänge sind über Wissen erklärbar. Komplexe Zusammenhänge zeigen Muster auf, erfordern zusätzliche Geistesgegenwart, um den Unterschied zwischen Erwartung und den tatsächlichen Ereignissen auszugleichen.
  • Die Arbeitswelt ist geprägt von Kompliziertheit und Komplexität, es ist keine Frage des Ob, vielmehr des Wieviel.
  • Jegliche Führungsarbeit beginnt mit der Unterscheidung zwischen Kompliziertheit und Komplexität. 

Handlungsimpuls

Steuern oder Entstehen lassen?
Maschinen lassen sich steuern. Die Temperatur des Backofens lässt sich regeln, die Drehgeschwindigkeit einer Bohrmaschine einstellen, die Geschwindigkeit des Autos mit Gaspedal und Bremse verändern.

Lebendiges lässt sich nicht steuern, ohne dabei das Lebendige zu zerstören. Ein Skript nimmt einem Dialog die Spannung und Chance auf Neues. Aufforderungen wie „Sei kreativ!“, „Sei spontan!“, „Seid Freunde!“ laufen zumeist ins Leere oder erzeugen genau das Gegenteil des Erwünschten. 

Komplexe Dynamiken, wie Kreativität, Innovation, Teamzusammenhalt oder Motivation entstehen nur von selbst und nur unter geeigneten Rahmenbedingungen.

Zugleich lässt sich Komplexität auch über eine ausgefeilte Steuerung nicht wegdefinieren. Eine (komplizierte) Prozessbeschreibung wird nicht verhindern, dass in den (komplexen) Abläufen Unvorhergesehenes auftreten wird und ein Umgang hiermit gefunden werden muss.

Lasst heute in eurem Alltag die Frage nach ‚Steuern oder Entstehen lassen‘ mitlaufen.

Wie handhabt ihr das bei elobau?

  • Was regelt ihr sehr explizit? („Straßenschilder in Deutschland“)
  • Was wird eher den Beteiligten überlassen? („Kreuzung in Indien“)
  • Wo gibt es eine Mischform? („Kreisverkehr-Logik mit weniger expliziten Vorgaben und gleichzeitiger Verantwortungsübernahme der Beteiligten“)

Legt den Fokus bitte auf Bereiche, die nicht ohnehin im Lenkungskreis ausgiebig betrachtet werden.

Wir stehen mutigen und entschiedenen Führungspersönlichkeiten zur Seite.

Persönlich: Hier steht die persönliche Entwicklung als Führungskraft im Mittelpunkt. Themen sind beispielsweise das Einfinden und Wirksamwerden in veränderten Rollen oder die​ Reflektion individueller Bedürfnisse und Stärken im Abgleich mit unternehmerischen Leitbildern und dem übergeordneten Unternehmenszweck.

Fachlich: Hier stehen wir Entscheidern als fachliche Sparringspartner bei Seite. Die Themen reichen von der Erarbeitung​ und Reflektion organisationaler Rahmenbedingungen bis hin zur fachlichen Begleitung der Führungsarbeit in Entscheidungs- und Führungsgremien.

Machen Purpose-Workshops Sinn?

Spätestens seit Simon Sinek starten wir alle mit dem WARUM. Ganze Organisationen haben sich seitdem auf die Suche nach ihrem Sinn und Zweck gemacht. Ist dieser einmal gegriffen und formuliert, folgt schnell der Wunsch nach dessen Akzeptanz und Verbreitung in den Köpfen aller Führungskräfte und Mitarbeitenden.

Doch wie gelangt der Purpose in die genannten Köpfe? Durch Trainings oder Schulungen? Durch Zielvereinbarungen? Durch Feedbacks und Coachings? Wohl eher kaum. Und ist das überhaupt Sinn der Sache mit dem WHY?

Weil wir alle selbstbestimmt und eigenverantwortlich sind, kann (auch wenn man das wollte) niemand anderes entscheiden, was wir akzeptieren und auch im Handeln einsetzen. Das wäre in etwa so absurd wie zu wollen, dass die Lieblingsfarbe aller Mitarbeitenden von VORSPRUNGatwork Rot sei. Es bleibt immer die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er Impulse und Antwortmögli