Warum? Wofür? Mit wem? Womit? Was? Wie?
„Dem guten Frager ist schon halb geantwortet“ (Nietzsche)

Der heutige Impuls ist der erste aus der Themenreihe „Führen in Komplexität (Leadership)“ und geht der Frage nach, wie du als Führungskraft deinen Mitarbeitenden auch in undurchsichtigen Kontexten zweckorientiertes Handeln ermöglichst, ohne dabei den konkreten Lösungsweg vorgeben zu müssen.

Die Frage „Warum und wofür tue ich mit wem und womit was und wie?“ kann jeder Mensch nur für sich selbst beantworten.

Weil wir alle selbstbestimmt und eigenverantwortlich sind, kann (auch wenn man das wollte) niemand anderes diese Aufgabe übernehmen. Es bleibt immer die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er Impulse und Antwortmöglichkeiten von anderen annimmt oder nicht.

Deshalb ist die Aufgabe von Führung nicht, Mitarbeitende zu steuern, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, Orientierung zu ermöglichen und operativ in Verantwortung zu gehen, sodass Mitarbeitende sich selbst bestmöglich am Unternehmenszweck ausrichten wollen und können.

Wenn die Arbeitswelt wenig Überraschungen beinhalten würde, könnten alle notwendigen Abläufe über kleinteilige Delegation von Prozessschritten geregelt werden. Das haben wir bereits als Management in Impuls 4 vorgestellt
Der einzelne Mitarbeiter erhält zur Orientierung konkrete Zielvorgaben wie Stückzahl, Qualitätsmerkmale etc. Zudem bekommt er einen spezifischen Wirkrahmen zur Verfügung gestellt, d.h. einen Arbeitsplatz und entsprechende Arbeitsmittel.
Ein Verständnis der Arbeitsweise seiner Kollegen ist nicht erforderlich.
Solange der Mitarbeitende die Zielvorgaben erfüllt, ist seine persönliche Antwort auf die Frage nach dem ‚warum und wofür tue ich mit wem und womit was und wie?‘ für andere unerheblich.

Wir wissen, dass Menschen zumeist sehr gut mit unerwarteten Ereignissen umgehen können. Auch hier kann uns der Straßenverkehr als Beispiel dienen.

Würde ein Radfahrer, der gerade einer sich öffnenden Tür ausgewichen ist, gefragt werden, warum und wofür er den Schlenker gemacht hat, wäre dieser wahrscheinlich verwundert, dass ihm überhaupt eine solche Frage gestellt wird. Der eigene Wunsch nach Unversehrtheit sorgt dafür, dass die Anpassungsreaktion zu einem guten Verlauf der Situation für alle Seiten führt.

Wie sieht es jedoch in einem Unternehmen aus?
Komplexität bedeutet nicht nur, dass es zu unerwarteten Störungen in den üblichen Abläufen kommt. Komplexität bedeutet auch, dass es eine Vielzahl an möglichen Lösungen gibt.
Jeder von einer Störung betroffene Mitarbeitende hat also unterschiedliche Möglichkeiten, sein Verhalten anzupassen.

Bestenfalls geschieht dies so, dass im Zusammenwirken der Mitarbeitenden ein dem Zweck der Organisation angemessenes Ergebnis entsteht.

Hierfür ist erforderlich:

  • Jeder Mitarbeitende hat die notwendigen Spielräume, um von den Standardabläufen abzuweichen.
  • Die Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, ihre Aktivitäten untereinander abzustimmen.
  • Es gibt eine ausreichende Identifikation mit dem Unternehmenszweck, sodass individuelle Antworten auf das Warum und Wofür nicht mit dem kollektiven Zweck in Konflikt stehen.

Wir halten fest:

  • Jeder Mensch entscheidet sein Handeln für sich selbst.
  • Führung schafft Orientierung und Rahmenbedingungen, so dass die vielen individuellen Entscheidungen der Mitarbeitenden in ein Zusammenwirken führen, in dem der Zweck des Unternehmens erfüllt wird.
  • Wäre unsere Arbeitswelt ausschließlich kompliziert, so könnten kleinteilige Arbeitsschritte definiert werden und den Mitarbeitenden sehr enge Rahmenbedingungen vorgegeben werden.
  • Je komplexer die Umwelt ist, desto größer sind die notwendigen Handlungsspielräume, Abstimmungsbedarfe und umso bedeutsamer wird die Identifikation mit dem Unternehmenszweck als Leuchtturm im Nebelmeer.

Handlungsimpuls

Wir sind heute in den Impuls mit der Aussage eingestiegen, dass wir uns selbst die Frage ‚Warum und wofür tue ich mit wem und womit was und wie?‘

zumindest implizit beantworten, wenn wir uns für eine Handlung entscheiden.
Wie machtvoll diese Frage ist, wollen wir mit dem heutigen Handlungsimpuls erforschen.  

Bis morgen um 17 Uhr beantwortet jeder im Gruppenchat die Frage:

Warum und wofür lese ich die Beiträge der anderen?

Warum und wofür beteilige ich mich mit meinen Beiträgen im Gruppenchat?

Und:
Was hätte ich vermutlich gemacht, wenn es die Vorgabe ‚jeder bis 17 Uhr‘ nicht gegeben hätte?

18.10. - 5.11.

Im Buddy-Dialog vertiefst du die Lerninhalte gemeinsam mit einem oder zwei Kollegen aus der