Im ersten Teil dieser Blogserie haben wir beobachtet, dass Menschen produktiver werden, Unternehmen aber nicht wirksamer. Jetzt fragen wir nach dem Warum.
Wenn die Wirkung von KI ausbleibt, sucht man den Fehler meist im Greifbaren, bei den Daten oder der Strategie. Was wirklich bremst, liegt tiefer und ist älter, als die meisten denken.
Strukturen aus einer anderen Zeit
Die meisten Unternehmen arbeiten bis heute nach der Logik der Industrialisierung. Arbeit wird zerlegt und sauber verteilt, das Wissen sammelt sich oben. Das hat über Jahrzehnte getragen, gerade in Deutschland. Und deshalb sitzt es so tief.
KI ändert daran erstaunlich wenig. Sie wird in diese Logik eingebaut und beschleunigt vor allem das, was ohnehin schon läuft. Zentrale Entscheidungen bleiben zentral. Die Silos bleiben auch. Es geht jetzt nur schneller. So entstehen Muster, die erklären, warum so viel Bewegung am Ende so wenig bewegt.
Wenn Entscheiden zum Engpass wird
Lange galt eine einfache Regel. Wer mehr wusste, entscheidet. Wissen war Macht. Mit KI bröckelt dieser Vorsprung. Das Wissen verliert seine Exklusivität und entscheidend wird, was jemand damit anfängt.
Der Unterschied entsteht künftig weniger durch den Besitz von Information als durch die Fähigkeit, mit ihr umzugehen.
Genau hier stockt es. Wenn ein Projekt hängt, fehlt selten die Information. Sie ist längst da. Trotzdem wandert die Entscheidung durch Gremien, wird vertagt, wird zur Sicherheit noch einmal abgestimmt. Thorsten Heilig, Gründer der Heidelberger Entscheidungsplattform paretos, liefert uns dafür einen Satz, der sitzt: „Wir haben kein Technologieproblem, wir haben ein Entscheidungsvakuum.“
Und es reicht tiefer
Das Entscheidungsvakuum ist das auffälligste Muster. Das einzige ist es nicht. Darunter liegt eine Digitalisierung, die ihre technische Hälfte feiert und die menschliche vergisst. Und ein Menschenbild, das sich selten in Leitbildern zeigt, dafür umso deutlicher in Freigabewegen und Kontrollmechanismen.
Am Ende sind es vier Muster. Langsame Entscheidungen, Wissensmonopole, eine halbe Digitalisierung, ein Menschenbild der Kontrolle. KI erfindet sie nicht. Sie macht sie sichtbar. Wie sie zusammenwirken und was sie ein Unternehmen kosten, nimmt sich unser Whitepaper vor.
Im dritten Teil drehen wir die Frage um. Welche Organisation müssen wir sein, damit KI wirklich wirkt?
Klar, ohne Kunden gäbe es kein Unternehmen. Kunden legitimieren damit die Existenz eines jeden Unternehmens. Doch wer den Kunden immer an erster Stelle verortet, der tut selbst dem Kunden nicht immer einen Gefallen. Geschweige denn sich selbst!
Wer den Kunden nämlich permanent an erste Stelle stellt, leidet früher oder später an Überforderung und Orientierungslosigkeit. Jeder Wunsch wird erfüllt, jede Ausnahme gewährt, jeder Prozess so angepasst, dass Schritt für Schritt immer unklarer wird, wofür man als Unternehmen eigentlich steht.
Wer dem Kunden wirklich dienen möchte, positioniert sich selbst an erster Stelle!
Zuerst kommt nämlich die stabile eigene Unternehmensidentität, aus der heraus dem Kunden ein starkes Angebot bereitet werden kann. Wenn ein Unternehmen nicht sicher weiß, wer es ist und wofür es steht, kann niemand Vertrauen zu ihm entwickeln.
In Zeiten wachsender Dynamik frage dich also seltener, was der Kunde jetzt braucht. Frage dich lieber, wer du heute bist und morgen sein willst.
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