Nach seinem Ausflug in Google Office in Atlanta haben unserem Christian Kugelmeier (CK) spannende Fragen gestellt, in denen er seine Sicht auf die USA und die Welt teilt.
Was hat dich nach Atlanta ins Google Office geführt? Was war deine Motivation für den Besuch, und welche Impulse hast du dort gesucht?
CK: Ein guter Freund ist vor 10 Jahren, damals noch bei SAP beschäftigt, dorthin gezogen und verantwortet mittlerweile das weltweite Google Cloud Geschäft. Er pendelt alle zwei Wochen zum Google-Stammsitz ins Silicon Valley, weil er seiner Familie wegen Schule, Kindergarten usw. einen Umzug nicht zumuten will. Ich habe ihn in Atlanta besucht, zum einen, um seine kleinen Kinder zu erleben, und auch, um einen Eindruck vom Google Office und der Arbeitsweise dort zu bekommen.
Welche Inspirationen nimmst du mit? Welche Erkenntnisse oder Erfahrungen aus Atlanta fließen in dein Wirken bei VORSPRUNG und darüber hinaus ein?
CK: Inspiriert hat mich zum einen die atemberaubende Office-Architektur. Neben der Zentrale im Silicon Valley hat Google Büros in fünf großen US-amerikanischen Städten, darunter auch in Atlanta. Hier erstrecken sich über 18 Stockwerke optisch und haptisch ansprechende Landschaften aus verschiedenen Stilen, Farben und Stoffen, die je Stockwerk unterschiedlichen Mottos folgen (z. B. Peach State, Airport, Music, Martin Luther King Jr. usw.). Alles ist hochwertig, wie es hochwertiger nicht geht.
Zum anderen ist die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden, schlicht atemberaubend. Wo es in Deutschland tage-, wochen-, monatelang oder jahrelang Diskussionen über Richtig oder Falsch gibt, wird bei Google (auch bei zweistelligen Millionenbeträgen) entschieden, und dann wird beobachtet, ob diese Entscheidung in der Realität weiterführt oder eben nicht. Speed is everything. Erster zu sein ist entscheidender als Recht zu haben.
Gibt es etwas, das dich nachdenklich stimmt? Welche Aspekte siehst du kritisch – sei es in Bezug auf Technologie, Unternehmenskultur oder den Einfluss von KI?
CK: Bemerkenswert ist die Lebensumgebung, die in den Büros geboten wird. Die Kantinen sind 5-Sterne-Buffets, in denen es von 08:00 bis 18:00 alles gibt, was man sich nur vorstellen kann. Wer will, kann schlafen, sich die Nägel machen lassen, das Haustier betreuen lassen, sich auf beheizte Klodeckel setzen usw. Tatsächlich gibt es kaum noch eine Notwendigkeit, nach Hause zu gehen. Der Kampf um die besten Talente spiegelt sich in unvorstellbaren Wohlfühloasen für diese wider – bei gleichzeitig brettharter individueller Ergebniskultur. Da es in den USA bekanntlich keine Job-Sicherheit gibt, kann das alles für das Individuum von heute auf morgen weg sein. Die Einstiegsgehälter entsprechen großzügigen hiesigen Bereichsleiter-Gehältern.
Bottom Line: Die Bubble, die sich rund um Technologie in den USA gebildet hat, ist für unsere Maßstäbe einfach verrückt.
Wir sind in Deutschland nicht nur langsam – wir stehen im Vergleich still. Ich werde die Entscheidungsgeschwindigkeit bei VORSPRUNGatwork kritisch reflektieren.
Was möchtest du noch teilen? Gab es ein besonderes Erlebnis oder eine Einsicht, die dich nachhaltig bewegt hat und die du weitergeben möchtest?
CK: Ich bin nicht sicher, ob das, was ich da gesehen habe, modernes Arbeiten auf nächstem Level oder schlicht verrückt ist – oder beides. Ich bin wie ein kleines Kind durch diese Büros gelaufen und habe auch nach Stunden nicht gewusst, ob ich hier durch Realität oder eine Simulation wandere.
Auch wurde ich hart entnaivisiert, als mein Kumpel auf dem Weg ins Büro zu mir meinte: „Übrigens… ich kenne in diesem Büro praktisch niemanden. Wenn wir jemanden aus meinem Team treffen, ist das Zufall.“ Er arbeitet seit 6 Jahren bei Google in Atlanta, sein Team hat 150 Leute, die USA-weit verstreut sitzen. Tatsächlich gab es dann auch kein einziges vertrautes „Hallo“ mit einem anderen Menschen, außer notwendigerweise am Empfang und den Essens-Theken. Alles erschien mir sozial gleichzeitig warm und kalt.
Es war ein riesiges Privileg, das alles einmal zu erleben, und meine Verarbeitung ist alles andere als abgeschlossen. Der Trip hat in jedem Fall dazu beigetragen, mir Google näherzubringen.
Abschluss:
Vielen Dank, CK, für deine spannenden Einblicke.
VORSPRUNG Redaktion
Saveria Toscano
Klar, ohne Kunden gäbe es kein Unternehmen. Kunden legitimieren damit die Existenz eines jeden Unternehmens. Doch wer den Kunden immer an erster Stelle verortet, der tut selbst dem Kunden nicht immer einen Gefallen. Geschweige denn sich selbst!
Wer den Kunden nämlich permanent an erste Stelle stellt, leidet früher oder später an Überforderung und Orientierungslosigkeit. Jeder Wunsch wird erfüllt, jede Ausnahme gewährt, jeder Prozess so angepasst, dass Schritt für Schritt immer unklarer wird, wofür man als Unternehmen eigentlich steht.
Wer dem Kunden wirklich dienen möchte, positioniert sich selbst an erster Stelle!
Zuerst kommt nämlich die stabile eigene Unternehmensidentität, aus der heraus dem Kunden ein starkes Angebot bereitet werden kann. Wenn ein Unternehmen nicht sicher weiß, wer es ist und wofür es steht, kann niemand Vertrauen zu ihm entwickeln.
In Zeiten wachsender Dynamik frage dich also seltener, was der Kunde jetzt braucht. Frage dich lieber, wer du heute bist und morgen sein willst.
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