Frage 1: Pa, du hast gerade deinen LinkedIn Live Talk zur Themenreihe Human Centric Finance mit Fokus Erfolgsfaktor Mensch gehalten. Wie fühlst du dich und wie ist es gelaufen?
Pa Sinyan: Es hat wirklich Spaß gemacht, über das Thema zu sprechen und eine andere Perspektive sowie Sprache zu hören. Wir haben uns in vielen Punkten gegenseitig bestätigt, und besonders seine Beispiele und Erfahrungen als Pilot fand ich sehr spannend. Insgesamt war es ein kurzer, aber intensiver Austausch. Ich glaube, für Menschen, die neu in das Thema einsteigen, ist es ein toller Zugang, der sie dazu inspirieren kann, tiefer einzutauchen.
Frage 2: Was hat Dich persönlich bewegt, Dich mit dem Thema auseinander zu setzen?
Pa Sinyan: Ich bin durch den Faktor Mensch an das Thema herangekommen. Mich hat interessiert, wie man Arbeit sinnvoller und erfüllender gestalten kann. Die empirischen Erkenntnisse meiner Arbeit bei Gallup, wie stark Verhaltensweisen und Emotionen am Arbeitsplatz mit finanziellen Ergebnissen korrelieren, waren für mich ein Schlüsselmoment. Es wurde klar, dass man durch den Fokus auf den Menschen sowohl das Wohlergehen der Mitarbeitenden als auch den finanziellen Erfolg von Unternehmen steigern kann.
Frage 3: Wie bzw. aus welcher Perspektive schaust Du auf die (finanzielle) Führung von Unternehmen?
Pa Sinyan: Für mich ist Unternehmensführung idealerweise holistisch. Erfolg sollte nie auf eine einzige Kennzahl reduziert werden, sondern durch eine Kombination aus KPIs dargestellt werden. Es geht um Wertschöpfung und Wertsteigerung, wobei sowohl Gewinn, Kundenbindung als auch das Wohlergehen der Mitarbeitenden und der Einfluss auf das Umfeld berücksichtigt werden müssen. Oft wird jedoch stark vereinfacht, und der Fokus liegt auf kurzfristigen Zahlen, was langfristig schaden kann.
Frage 4: Woran und wie misst Du Unternehmenserfolg (Welche KPIs sind für Dich besonders aussagekräftig?)
Pa Sinyan: Der zentrale KPI für mich ist der Kunde: das Kundenerlebnis, die Zufriedenheit und emotionale Bindung. Kunden, die mehr kaufen oder Dienstleistungen intensiver nutzen, treiben den Erfolg eines Unternehmens. Gleichzeitig müssen wir auch die Einflussfaktoren auf diese Kennzahlen im Blick behalten, etwa die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Wenn diese frustriert sind, hat das oft direkte Auswirkungen auf die Kunden.
Frage 5: Wo siehst Du aktuell den größten Schmerz bei Unternehmen und auch mit Blick in die Zukunft?
Pa Sinyan: Die Geschwindigkeit und Notwendigkeit von Veränderungen stellen eine immense Herausforderung dar. Themen wie KI, hybride Arbeitsmodelle, Digitalisierung und Elektrifizierung fordern schnelle Anpassung. Gleichzeitig fehlt oft die richtige Führungskultur, die Mut und Lust auf Veränderungen fördert. Stattdessen sehen wir häufig Angst, die durch negative Unternehmenskulturen verstärkt wird.
Frage 6: Worin siehst Du die größten „Hürden“ für Veränderungen in Unternehmen?
Pa Sinyan: Eine der größten Hürden ist das Festhalten an traditionellen Strukturen. Viele Unternehmen kommen erst in Bewegung, wenn es dringend ist. Hinzu kommt, dass Veränderung kein einmaliges Ereignis ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Vergleichbar mit Beziehungen: Man muss ständig daran arbeiten, um sie zu erhalten. Es braucht eine langfristige Perspektive, um sowohl die Kultur als auch die Strukturen flexibel zu halten.
Frage 7: Für wen ist das Thema noch interessant und mit wem müssen wir unbedingt zu dem Thema sprechen?
Pa Sinyan: Das Thema ist für alle interessant, die in Führungspositionen Verantwortung tragen und Wandel ermöglichen möchten – von Personalvorständen bis zu CFOs, die Kennzahlen verantworten. Auch Menschen im Bereich New Work, wie Michael Trautmann, sind relevante Ansprechpartner. Letztendlich betrifft es jede Führungskraft, die einen positiven Einfluss auf Kultur und Ergebnisse haben will.
Abschließende Gedanken von Pa Sinyan:
Bei allen Herausforderungen ist es wichtig, den Fokus auf das Positive zu richten. Veränderung passiert jeden Tag, und es gibt bereits so viele Beispiele, wo Unternehmen erfolgreich Wandel geschafft haben. Wenn wir bewusst auf die kleinen Schritte und Erfolge achten, gewinnen wir die Kraft, weiterzumachen. Kulturwandel und unternehmerische Transformation sind Prozesse, die Kontinuität und Optimismus erfordern – aber sie sind möglich und lohnenswert.
Zu seiner Person:
Pa Sinyan ist Managing Partner bei Gallup und eine führende Stimme im Bereich Human Centric Leadership. Mit seiner Expertise verbindet er wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über den Einfluss von Verhaltensweisen und Emotionen auf Unternehmenserfolg mit einem praxisnahen Ansatz zur Gestaltung von Arbeitskulturen. Sein Fokus liegt darauf, Organisationen dabei zu unterstützen, sowohl das Wohlbefinden der Mitarbeitenden als auch den finanziellen Erfolg nachhaltig zu fördern.
Abschluss:
Vielen Dank, Pa, für deine spannenden Einblicke.
VORSPRUNG Redaktion
Saveria Toscano
Klar, ohne Kunden gäbe es kein Unternehmen. Kunden legitimieren damit die Existenz eines jeden Unternehmens. Doch wer den Kunden immer an erster Stelle verortet, der tut selbst dem Kunden nicht immer einen Gefallen. Geschweige denn sich selbst!
Wer den Kunden nämlich permanent an erste Stelle stellt, leidet früher oder später an Überforderung und Orientierungslosigkeit. Jeder Wunsch wird erfüllt, jede Ausnahme gewährt, jeder Prozess so angepasst, dass Schritt für Schritt immer unklarer wird, wofür man als Unternehmen eigentlich steht.
Wer dem Kunden wirklich dienen möchte, positioniert sich selbst an erster Stelle!
Zuerst kommt nämlich die stabile eigene Unternehmensidentität, aus der heraus dem Kunden ein starkes Angebot bereitet werden kann. Wenn ein Unternehmen nicht sicher weiß, wer es ist und wofür es steht, kann niemand Vertrauen zu ihm entwickeln.
In Zeiten wachsender Dynamik frage dich also seltener, was der Kunde jetzt braucht. Frage dich lieber, wer du heute bist und morgen sein willst.
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